Macht spätes essen dick?

Ja, Studien bestätigen das. Doch die offizielle Ernährungslehre leugnet es noch

Hängt unser Körpergewicht auch davon ab, wann wir essen? Oder ganz konkret: Macht spätes essen dick? Es gibt viele Hinweise, dass die Antwort „ja“ heißt – auch wenn es die offizielle Ernährungslehre derzeit noch anders sieht. 

So heißt es zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, „dass die über den ganzen Tag aufgenommene bzw. verbrauchte Energiemenge ausschlaggebend für das Körpergewicht ist“. Wann wir was essen und wie häufig wir über den Tag verteilt essen spielt danach keine Rolle.

Spät abends ist der Körper nicht mehr in der Lage, das Essen gut zu verdauen

In alten Ernährungslehren hat man das schon immer anders gesehen. Ob Ayurveda oder F. X. Mayr – der richtige Zeitpunkt zum Beispiel für das Abendessen wird sehr wohl für wichtig gehalten. „Rohkost nur vor 16 Uhr“, sagt zum Beispiel der Ernährungsmediziner Harald Stossier. Und das Abendessen „bitte vor 18 Uhr“. Der Grund: Zu später Stunde sei der Körper nicht mehr in der Lage, das Essen gut zu verdauen. Die Tätigkeit der Körperorgane geht zurück. Die Muskeln entspannen sich, das Herz schlägt ruhiger, Atmung und Verdauungsvorgänge laufen verlangsamt ab. Zwar geht es bei diesen Ratschlägen eher um die gesundheitlichen Folgen eines falschen Zeitpunkts (u.a. schlechter Schlaf), doch auch die hängen mit unserem Körpergewicht zusammen.

Nicht spät abends essen. Viele Studien bestätigen das

Unterstützung finden solche Ernährungsempfehlungen in vielen Studien. So deckte eine Untersuchung auf, dass Übergewichtige über den Tag verteilt nicht nur häufiger essen (alle Mahlzeiten plus Snacks zwischendurch), sondern auch öfter spät abends.

In einer anderen Studie sahen sich Wissenschaftler die 7-Tages-Verzehrprotokolle von knapp 900 Frauen und Männern näher an. Das Ergebnis: Die Einnahme eines späten Abendessens geht mit einer insgesamt höheren Energiezufuhr einher. Und: Wer morgens gut frühstückt, der nimmt über den ganzen Tag gesehen weniger Kalorien zu sich.

Richtig beeindruckend sind die Ergebnisse einer schwedischen Studie mit über 3600 Teilnehmern. Auch hier zeigt sich: Wer sein Frühstück ausfallen lässt, ist häufiger übergewichtig (Body-Mass-Index, BMI größer als 30). Das gilt ebenso für Menschen, die ihr Mittagessen ausfallen lassen oder noch spät abends etwas essen.

Wissenschaftler: Je später noch etwas gegessen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit zuzunehmen.

Doch am erstaunlichsten ist der Hinweis der Wissenschaftler, dass die gesamte über den Tag aufgenommene Energiemenge bei den Übergewichtigen nicht größer war als bei den Normalgewichtigen.

Deshalb ihre Empfehlung: Wichtiger als der Blick auf die Kalorienmenge sei beim Abnehmen der Essenszeitpunkt: Je später noch etwas gegessen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit zuzunehmen.

 Was abends gegessen wird, ist auch für viele Vertreter einer kohlenhydratreduzierten Ernährung sehr wichtig. Hier steht die Frage im Mittelpunkt: Kohlenhydrate ja oder nein? Die durchgängige Meinung lautet: Abends sollte das Essen ziemlich kohlenhydratfrei sein. Und wenn schon Brot, dann bitte Vollkornbrot mit einem hohen Ballaststoffanteil. Denn das Ziel ist, die Blutzuckerwirkung des Abendessens möglichst gering zu halten, um kein Insulin zu locken, das die Fettverbrennung bremst. Hinzu kommt, dass gerade abends der Insulinspiegel länger als sonst üblich erhöht bleibt.

 Bleibt noch die Frage, wie es mit Zwischenmahlzeiten aussieht? Auch wenn drei Hauptmahlzeiten reichen sollten – wenn sich der ‘kleine Hunger’ meldet, dann kann man ihm entgegenkommen.

Nicht mit süßen Müsli-Riegeln oder Schokolade sondern, so empfiehlt es der Ernährungsexperte Dr. Nicolai Worm, zum Beispiel mit Nüssen, Gemüse, einem Stückchen Geflügel oder einem hart gekochten Ei.

 

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