Kohlenhydratarme Ernährung – Mittagsessen, Abendessen und Zwischenmahlzeiten

Die Diät-Vorschläge von Pape, Worm und Funfack

Dr. Nicolai Worm, Dr. Detlef Pape, Dr. Wolf Funfack: Die drei bekannten Ernährungsexperten machen sich für eine kohlenhydratarme Ernährung stark. Und trotzdem weichen ihre Vorschläge in vielen Punkten voneinander ab. Da stellt sich die Frage: Wer hat recht? Wem soll man glauben? Wir haben uns die drei Diät-Konzepte näher angesehen. Diesmal geht es um das Mittagsessen, Abendessen und um Zwischenmahlzeiten.

Das Mittagessen

Kraft durch Kohlenhydrate heißt das Motto bei Dr. Pape zum Mittagessen; rund 100 g Kohlenhydrate (je nach Ernährungstyp mal mehr oder weniger) sind erlaubt.

Auch Kartoffeln stehen jetzt auf dem Speiseplan und viel Gemüse. Beispiel für einen Gemüseeintopf mit Hühnerfleisch (für zwei Personen): 1 Zwiebel, 1 kg Kartoffeln, 150 g Möhren, 200 g Lauch, 150 g grüne Bohnen, 150 g Hühnchenbrustfilet, 2 EL Rapsöl, 500 ml Gemüsebrühe, Salz und Pfeffer, Majoran, 200 g Erbsen. Und auch in anderen Rezepten tauchen Kartoffeln oder Reis auf. Fazit: Ein streng kohlenhydratarmes Mittagessen ist bei Dr. Pape nicht vorgesehen.

Da ist Dr. Worm schon konsequenter. Bei seinen Rezepten für das Mittagessen sucht man Kartoffeln, Nudeln und Reis meist vergeblich: Hier kann zum Beispiel zwischen „Hähnchenbrust mit Gurken-Erdnuss-Salat“, „Blumenkohl-Curry mit Tofu“, „Fischrouladen mit toskanischem Bohnensalat“ oder „Hasenrückenfilet mit Rotkohl und Bratäpfelchen“ gewählt werden. Kartoffeln & Co. werden durch Gemüse ersetzt.

Auch bei Dr. Funfack haben sich Kartoffeln, Nudeln und andere Kohlenhydratbeilagen rar gemacht: Die Salzkartoffeln bei der „Forelle blau“ sind durch eine Portion gekochtes Gemüse (Zwiebeln, Sellerie, Möhre, Petersilienwurzel, Porree und Kohlrabi) ersetzt worden. Und der Sauerbraten wird nicht mit Kartoffeln, sondern mit einer großen Portion Gemüse serviert.

Abendessen

Nach einem kohlenhydratreichen Frühstück, sowie Kartoffeln und Nudeln zum Mittagessen, ist man ziemlich gespannt, wie das Abendessen bei Dr. Pape aussieht: Diesmal sind die Kohlenhydrate nur noch in Spuren zu finden, es handelt sich um eine Eiweißmahlzeit. Aufgetischt werden zum Beispiel Matjesfilets, Thunfisch-Steaks, Hähnchenbrustfilets, Pilzrühreier, Omeletts und Aufläufe aller Art, die fast immer mit einer großzügigen Portion Salat oder Gemüse auf den Tisch kommen.

„Natürlich widerspricht diese reine Eiweißmahlzeit, die ohne Brot und Brötchen, Kartoffeln, Nudeln & Co. auskommt, der in unseren Breiten üblichen ‘Brotzeit' am Abend“, sagt Detlef Pape. Aber anders sei Abnehmen nicht möglich.

Das sieht auch Dr. Worm so. Bei ihm kommt das Essen ähnlich kohlenhydratarm auf den abendlichen Esstisch. „Bunte Blattsalate mit Putenstreifen“ werden gereicht oder „Rucola-Salat mit thunfischgefüllten Tomaten“.

Und was lässt Metabolic Balance-Erfinder Dr. Funfack kochen? Es macht es wie seine zwei Kollegen: Im Mittelpunkt stehen tierisches oder pflanzliches Eiweiß: Zucchini-Gratin zum Beispiel, Waldorfsalat mit Geflügel, Hähnchen mit Tomaten, Champignon-Sprossen-Salat oder Kohlsuppe mit Räuchertofu.

Zwischenmahlzeiten

Das Motto von Dr. Pape lautet: Täglich drei sättigende Mahlzeiten und auf Zwischenmahlzeiten und kalorienreiche Getränke verzichten; Wasser oder Tee sind erlaubt. Zwischen den Mahlzeiten müssen tagsüber mindestens fünf Stunden Pause liegen, damit die Bauchspeicheldrüse zur Ruhe kommen kann. Auch bei  Dr. Funfack gilt die 5-Stunden-Pausenregel; Zwischenmahlzeiten sind ebenfalls tabu.

Lockerer sieht Dr. Worm die ganze Diskussion. „Wenn Sie Hunger haben, müssen Sie essen“, so seine Meinung. Denn er sieht es ganz realistisch: „Sobald eine Ernährungsumstellung mit Qualen verbunden ist, werden Sie sie nicht lange durchhalten.“ Seine Favoriten gegen den „kleinen Hunger“? Nüsse zum Beispiel, die keinen Insulinausstoß provozieren.

Aber auch gekochte Eier oder etwas Obst oder Gemüse kommen in Frage. Dr. Worm: „Denken Sie immer daran: Eiweiß sättigt am besten.“

Alle drei "Ernährungspäpste" machen sich für eine Ernährung stark, die auf die Stoffwechselvorgänge des menschlichen Organismus Rücksicht nimmt.

Trotz aller Unterschiede im Detail hat die praktische Erfahrung gezeigt: Mit jedem Konzept kann man dauerhaft und gesund abnehmen, was diverse wissenschaftliche Untersuchungen auch belegen. Und somit haben Pape, Worm und Funfack mit ihren Ernährungsvorschlägen recht. Die Unterschiede scheinen für den Abnehmerfolg weniger bedeutsam zu sein, als es die Erfinder Glauben machen wollen.

So mancher Ernährungsgrundsatz (z. B. die funfacksche Regel: „Jedes Essen muss mit einem Eiweißanteil beginnen“) steht ohnehin auf wissenschaftlich wackeligen Füßen.

Weniger Kohlenhydrate: Damit entlastet man die Bauchspeicheldrüse, die weniger Insulin produzieren muss

Das gemeinsame Merkmal aller Vorschläge sind die über den Tag eingesparten Kohlenhydrate und die drei täglichen Mahlzeiten. Weniger Kohlenhydrate: Damit entlastet man die Bauchspeicheldrüse, die weniger Insulin produzieren muss. Hungergefühle treten deshalb seltener auf. Bei einer kohlenhydratarmen (oder -ärmeren) Ernährung wird einfach weniger gegessen – und das ganz ohne Kalorienzählerei. Denn die Sättigung hat nichts mit dem Kaloriengehalt der Nahrung zu tun. Kohlenhydrathaltige Zwischenmahlzeiten und Naschereien am Rande fallen weg.

Die wichtigste Gemeinsamkeit: Am Abend empfehlen alle drei Ernährungsexperten ein kohlenhydratarmes Essen inklusive einer Eiweißbeilage. Nur eine solche Kombination lässt die körpereigenen Stoffwechselvorgänge über Nacht möglichst ungestört und effektiv ablaufen.

Zum Einstieg: Drei bis vier kohlenhydratfreie Abende pro Woche

Die Praxis zeigt, dass gerade in den ersten zwei, drei Wochen insbesondere abends schon kurze Zeit nach dem Essen das Gefühl aufkommt, eigentlich noch etwas essen zu müssen. Es ist kein Hunger, der sich da meldet. Es sind die Essensgewohnheiten aus alten Tagen, die am Magen rütteln. Dagegen helfen meist schon ein, zwei Stückchen herzhafter Käse oder etwas Fleisch.

Wem der Abschied von den kohlenhydratreichen Abendessen mit Wurst- und Käsebroten schwerfällt, sollte es zum Einstieg mit drei bis vier kohlenhydratfreien Abenden pro Woche versuchen. Das ist zwar nicht die reine Lehre, erleichtert aber den Umstieg auf die neue Ernährungsform enorm.

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